Bulgarien – wo Kopfschütteln ein klares „Ja“ bedeutet

Vieles in Bulgarien könnte kaum gegensätzlicher sein: auf der einen Seite die modernen Städte mit ihren aufgeräumten Stadtzentren voller Geschäfte, Restaurants und Cafés. Mit Museen, Theatern und Freizeitangeboten aller Art. Auf der anderen Seite die ländlichen Regionen, in denen die Bewohner allen Fortschritten zum Trotz ihre Traditionen pflegen und bis heute mit althergebrachten Techniken Landwirtschaft und Handwerk betreiben. An der knapp 380 Kilometer langen Küste entlang des Schwarzen Meeres gibt es lange, breite Sandstrände ebenso wie verträumte Buchten, umsäumt von Wäldchen oder Dünen. Überall ergeben sich Möglichkeiten zum Wassersport, beispielsweise zum Surfen, Paragliding oder Banana-Boot-Reiten. Dazu gibt es ausgezeichnete Wintersportmöglichkeiten.

Auch einige interessante Städte hat Bulgarien zu bieten. Varna zum Beispiel, die heimliche Hauptstadt des Landes. Nach Sofia und Plowdiw ist das zwar die nur drittgrößte Stadt, dafür aber die mit Abstand bedeutendste Hafenstadt des Landes. Wer genug vom Faulenzen in der Sonne – oder sich den ersten Sonnenbrand eingefangen – hat, findet in den zahlreichen Sehenswürdigkeiten Varnas Abkühlung. In der City steht die imposante Muttergottes-Kathedrale, erbaut 1896. Auch durch so einige Museen kann man in der Schwarzmeerstadt schlendern: Archäologisches Museum, Volkskundemuseum oder Marinemuseum wären da nur einige wenige Optionen. Auch ein Hauch vom alten Rom zieht durch Varna, genauer gesagt durch die römischen und byzantinischen Thermen. Auf dem geschätzt 7.000 Quadratmeter großen Grabungsfeld liegen römische Überbleibsel aus Zeiten seit dem 2. Jahrhundert frei. So lässt sich u.a. das Bad aus dem 4. bis 6. Jahrhundert erkennen, das einst warme Thermalquellen speisten. Varna eignet sich wirklich bestens für eine Entdeckertour, ganz besonders im Stadtkern mit seinen vielen restaurierten historischen Gebäuden. Sofia, Bulgariens Hauptstadt, beeindruckt ebenfalls mit Jahrtausende alter Geschichte und bietet zudem mit Theatern, Museen sowie großzügigen Shoppingmeilen und -passagen das typisch bunte Treiben europäischer Metropolen.

Auffallend in der bulgarischen Hauptstadt: Es gibt zahlreiche Moscheen, Synagogen und Kirchen, die sehr nah beieinander stehen. Eine gute Idee in Bulgarien ist auch eine Rundreise, denn der Balkanstaat ist ein aufregendes Land voller Kultur, historischer Hinterlassenschaften und landschaftlicher Schönheit. Eines dieser Natur-Highlights ist der Nationalpark des Rila-Gebirges, südlich von Sofia gelegen. Hier warten unbeschreiblich schöne Bergpanoramen, kristallklare Bergseen, heiße Quellen und mit dem 2.925 Metern hohen Musala auch Bulgariens höchster, stets schneebedeckter Gipfel. Reizvolle Landschaften finden sich auch in den Weiten der Tiefebenen, die Donau und Mariza durchfließen. Außerdem bietet Bulgarien ausgedehnte Hügellandschaften, urige Wälder und interessante Höhlen. Nicht zu vergessen Stara Planina – bei uns besser bekannt als Balkangebirge – mit Erhebungen, die es bis auf 2.376 Meter bringen.

Ebenso faszinierend die Rhodopen mit ihren wilden Schluchten und den noch heute vielen orientalisch wirkenden, kleinen Orten. Wohin man in Bulgarien auch kommt: Die Einheimischen pflegen ihre historischen Hinterlassenschaften, die teilweise sehr unterschiedlichen Kulturen entstammen und längst zu etwas eigenem, typisch Bulgarischem verschmolzen sind. Vor allem aus dem Mittelalter stammen einige traditionelle Kunsthandwerkstechniken und die farbenfrohen Trachten. Schmunzeln wird jeder Bulgarien-Neuling ganz sicher nach dem ersten Kommunikations-Missverständnis: Bulgaren nicken mit dem Kopf, wenn sie etwas verneinen – und umgekehrt bedeutet Kopfschütteln ein klares „Ja!“.