Montenegro – klein und wenig bekannt, doch nicht zu unterschätzen

Während Kroatien längst zu den beliebtesten Urlaubszielen in Südosteuropa zählt, fristet das südliche Nachbarland Montenegro in Sachen Tourismus bisher eher ein Schattendasein. Warum eigentlich? Schließlich verwöhnte die Natur den seit 2006 von Serbien unabhängigen Balkanstaat doch mit ähnlicher Schönheit wie Kroatien. Die ehemalige jugoslawische Teilrepublik gehört mit ihren knapp 14.000 Quadratkilometern zu den kleinsten Ländern Europas, selbst Schleswig-Holstein ist größer. Ideale Voraussetzungen also, um die Schönheit dieses Landes innerhalb kurzer Zeit für sich zu entdecken. Den knapp 300 Kilometer langen Küstenstreifen entlang der Adria säumen oft imposante Klippen. Doch man findet durchaus auch ansprechende Strandabschnitte. Einer der schönsten befindet sich südlich von Budva bei Milocer: Becici. Einheimische nennen diesen gut zwei Kilometer langen Sandstrand auch „Kraljicina Plaza“, was sich mit „Strand der Königin“ übersetzen lässt. Vielleicht, weil unweit des Ortes einst Fürsten und das Königshaus residierten. Vielleicht aber auch, weil Becici tatsächlich zu Europas schönsten Stränden gehört und 1936 in Paris den “Strand-Grand Prix” erhielt. Ebenfalls empfehlenswert zum Sonnenbaden sind jedoch noch so einige weitere Küstenabschnitte.

Zusammengenommen zieren gut 30 Kilometer Sandstrand Montenegros Adria-Ufer. Einige dieser Strände liegen wie Plavi Horizonti in einer Bucht, andere wie Ada Bojana auf Halbinseln oder lassen sich wie Drobni Pjesak nur per Boot erreichen. Wem Faulenzen am Strand nicht reicht, der wird staunen, was das Land auf kleinem Raum außerdem so zu bieten hat. Eine verhältnismäßig große Anzahl an Nationalparks zum Beispiel. Das Landesinnere durchzieht das Dinarische Gebirge, dessen höchster Gipfel – der Bobotov Kuk im Durmitormassiv im Norden – es auf 2.522 Meter bringt. Als UNESCO-Welterbestätte steht der Nationalpark Durmitor unter besonderem Schutz. Beim Wandern oder auf Trekkingtour kommt man inmitten der schroffen, teils vergletscherten Gebirgszüge über Hochalmen und Urwälder. Hin und wieder stößt man auch auf Seen, Bäche und Schluchten. Sicher die wenigsten wissen, dass sich in diesem Nationalpark mit der Tara-Schlucht Europas längster und tiefster Canyon befindet. Der Fluss Tara schwemmte den Kalksandstein auf knapp 80 Kilometern Länge so stark aus, dass die steilen Wände der Schlucht stellenweise eine Höhe von gigantischen 1.300 Metern erreichen. Am eindrucksvollsten präsentiert sich der Canyon von der Tara-Brücke bei Pljeva aus. Aufregender, als nur einen Blick auf den Fluss und die Schlucht zu werfen, ist Rafting auf der Tara. Je nach Anbieter kann man sich dabei für Floß, Kajak oder Schlauchboot entscheiden.

Wesentlich ruhiger geht es auf dem Skutarisee zu. Zwei Drittel dieses mit rund 370 Quadratkilometern Wasserfläche größten Sees der Balkanhalbinsel liegen an der Grenze zu Albanien auf dem Territorium von Montenegro. Das Ufer des länglichen Süßwassersees säumen steil aufragende Felsen, Kastanienwälder, Wiesen und Ortschaften. Zudem liegen einige kleinere Inseln im See. Hobbyornithologen stoßen hier auf ein besonders Kleinod, denn die Biotope locken Zugvögel zum Rasten und bieten rund 260 Vogelarten Heimat. So lassen sich Reiher, Störche und Greifvögel ebenso beobachten wie seltene Kormorane und Dalmatische Pelikane. Auch Landschildkröten, Echsen und Amphibien kommen rund um den See vor. Doch Montenegro ist nicht nur reich an Naturschönheiten, sondern das Land wird auch Städtetouristen begeistern. Nicht versäumen sollte man einen Abstecher nach Kotor an der gleichnamigen Bucht. Diese Hafenstadt blickt auf rund 2.000 Jahre Geschichte zurück. Vor eindrucksvollem Bergpanorama kann man unter anderem die von der bestens erhaltenen Stadtmauer umgebene Altstadt mit der Kathedrale Sveti Trifun und diverse Paläste bestaunen.